Seminarkonzept: Lern Spielend
Digitale Kompetenzen kreativ gestalten
Die Seminarreihe „Lern Spielend“ war ein zentraler Pfeiler des Projekts CivicEdTecH. Ziel war es, die Digitalisierung in der Lehrerbildung nicht nur als theoretisches Schlagwort zu behandeln, sondern als kreativen und gestaltbaren Prozess erlebbar zu machen. In einer engen Kooperation zwischen der Informatik und der Politikwissenschaft haben wir gezeigt, wie digitale Souveränität durch spielerische Ansätze wachsen kann.
Die Entwicklung der Kursformate
Über die letzten zwei Jahre haben sich zwei feste Säulen etabliert, die aufeinander aufbauen und den Studierenden unterschiedliche technologische und pädagogische Zugänge ermöglichten.
Von der Logik zum Code: Fokus Scratch (Lern Spielend I)
- Methodik: Der Prozess begann stets analog. Mithilfe von CRC-Cards machten die Studierenden Programmlogiken haptisch greifbar, bevor die erste Zeile Code in der visuellen Programmiersprache Scratch geschrieben wurde.
- Ergebnisse: Über die Semester hinweg entstanden beeindruckende interaktive Lernanwendungen. Studierende entwickelten Spiele, die komplexe Bildungsplaninhalte (vom Grundschulalter bis zur Sekundarstufe) so aufbereiteten, dass Schülerinnen und Schüler Wissen aktiv „erspielen“ können.
Kooperation in digitalen Welten: Fokus Unterricht & Kollaboration (Lern Spielend II)
In den fortführenden Seminaren wurde die Individualarbeit zur Teamarbeit ausgeweitet. In der Open-World-Umgebung von Minetest erschlossen sich die Teilnehmenden neue Dimensionen des kollaborativen Lernens. Zusätzlich ging es im Seminar Lern Spielend II um das erarbeiten von Unterrichtsentwürfen und praxisnahen Aufgabenstellungen. Wie können Spiele wie Scratch & Co im Unterricht eingebettet werden?
- Methodik: Hier standen das gemeinsame Bauen und die soziale Interaktion in digitalen Räumen im Vordergrund. Die Kurse fungierten als Experimentierfeld für Game-based Learning, bei dem gesellschaftliche Systeme und politische Strukturen innerhalb der Spielwelt simuliert und reflektiert wurden.
- Besonderheit: Die interdisziplinäre Zusammenarbeit förderte nicht nur das technische Verständnis, sondern vor allem das didaktische Geschick, digitale Welten als moderierte Lernorte zu begreifen.
Wissenschaftlicher Anspruch und Praxistransfer
Ein entscheidendes Merkmal der letzten vier Semester war die enge Verknüpfung von Fachwissenschaft und Fachdidaktik. Die Seminare waren nicht bloße „Bastelkurse“, sondern verlangten eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den Inhalten:
Fundierung: Jedes Projekt basierte auf einer fachwissenschaftlichen Analyse eines frei gewählten Themas aus dem Bildungsplan.
Reflexion: In den Modulprüfungen – ob Hausarbeit oder Kolloquium – reflektierten die Studierenden kritisch ihren eigenen Lernprozess sowie den pädagogischen Mehrwert ihrer entwickelten Produkte.
Nachhaltigkeit: Viele der entstandenen Spiele wurden als Open Educational Resources (OER) aufbereitet. Damit verlassen die Ergebnisse die Hochschule und stehen der Schulpraxis dauerhaft zur Verfügung.
Ein Resümee der Kooperation
Die Förderung durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre ermöglichte es uns, ein Team aus Dozierenden und TutorInnen bereitzustellen, das die Studierenden intensiv coachte. Dieser wertschätzende Rahmen führte dazu, dass auch Teilnehmerinnen und Teilnehmer ohne jegliches Vorwissen am Ende des Semesters ein funktionsfähiges digitales Produkt präsentieren konnten.
Wir blicken auf vier Semester zurück, in denen das Seminarzimmer zum Labor wurde – ein Ort, an dem „Hacks“, kreatives Scheitern und erfolgreiche Innovationen die Lehrerbildung von morgen bereits heute greifbar gemacht haben.